Von Christbäumen, Schilf und Pestiziden

 

Wo ist bloss das „Eglichruut“?

 

Der Nährstoffgehalt des Vierwaldstättersees hat in den letzten 40 Jahren stark abgenommen. Dies hat markante Auswirkungen auf die Pflanzenwelt unseres Sees. Im Jahre 1982 dominierten mit 92 Prozent aller Wasserpflanzen, die nährstoffliebenden und wenig empfindlichen Laichkräuter die Unterwasserflora. Heute prägen ausgedehnte Wiesen aus Armleuchteralgen das Bild unter Wasser. Das „Eglichruut“ welches uns früher beim Baden an den Füssen gekitzelt hat, ist fast gänzlich verschwunden. Diese hochwachsenden Laichkräuter aber bildeten nicht nur wichtige Laichgründe sondern auch Habitate und Rückzugsmöglichkeiten für Jungfische. Hier fanden sie Schutz vor Raubfischen, Gänsesägern, Haubentauchern und Kormoranen. Die zusehends betonierten Ufer und das Entfernen von Totholz verbessern die Situation für unsere Fische auch nicht.

 

 

 

Laichtannen schaffen Abhilfe

 

Bereits seit einigen Jahren hat der Fischereiverein Weggis mit seinen Mitgliedern versuchsmässig Christbäume versenkt, um den Fischen wieder Laich- und Rückzugsmöglichkeiten zu bieten. Nachdem die richtige Technik eruiert wurde, konnte sich der Erfolg bald sehen lassen – die Fische haben die Tannen nachweislich angenommen und ihren Laich platziert. So hat der FVW im Dezember 2017 beim Amt für Raum und Wirtschaft ein Gesuch  für eine grössere „Tannli-Aktion“ eingegeben und erhielt Anfang Jahr die offizielle Bewilligung hierfür von den relevanten Stellen seitens Kanton, Gemeinde und Korporation.

 

 

 

Ein Tannenwald vor der Grütschelen

 

Die im Januar anfallenden Weihnachtsbäume wurden von den Mitglieder des FVW gesammelt, von allen Kunststoffen befreit und beim Kiesplatz Rörli für rund acht Wochen gelagert, damit das Tannin aus den Bäumen entweichen konnte. Am vergangenen Samstag machten wir uns daran, diese 130 Bäume zu versenken. Dazu wurden Jutesäcke mit Kies gefüllt, welches durch die Firma Küttel AG Weggis gesponsert wurde. Diese Säcke wurden mit verrottenden Juteschnüren geschlossen und mittels derselben Schnur am Stamm der Tanne befestigt. Die so präparierten Tannen konnten dann auf dem Nauen Max platziert werden.

 

 

 

Max macht mobil!

 

Die Schiffsführer Markus und Werner Bösch manövrierten nun Tannen und Helfer mit ihrem altehrwürdigen Nauen Max mit der bekannten Nummer LU 9 vom Rörli geschickt ins Zielgebiet vor der Grütschelen und binnen einer Stunde war die vormals prall gefüllte Ladefläche leer. Am Seegrund, in einer Tiefe von 4-6m aber, präsentiert sich den Fischen nun ein kleiner Wald, wo sie sich fortpflanzen und verstecken können. Die Laichzeit beginnt in wenigen Wochen. Die vollgesogenen Tannen bleiben auf dem Gewässergrund und verrichten dort noch einige Jahre ihren „Dienst“. Im Lauf der Zeit verrotten dann sowohl Tannen, wie auch die Jutesäcke und die Schnüre – nichts bleibt übrig. Mit der Hilfe von Tauchern wird der Erfolg des Projektes dokumentiert.

 

 

 

Das Rörli wird seinem Namen wieder gerecht

 

Wussten Sie, dass der Name Rörli dem schweizerdeutschen Wort „Rör“ für Rohr oder Schilf entspringt? Der Flurname Rörli weist demnach auf einen reichen Schilfbestand hin. Vor 7 Jahren machte sich der FV Weggis daran, den kümmerlichen Rest, dieses einst „reichen Bestandes“ an der Mündung des Rörlibaches zu schützen und zu pflegen. Das Gebiet wurde eingezäunt und jährlich schneiden wir sowohl das Schilf wie auch die Dornen und Weiden, die dem Schilf den Platz streitig machen mehrmals. Das Holz für die Abzäunung haben wir von der Gemeinde Weggis erhalten und das Werkzeug hat uns grosszügiger Weise die Firma Waldis – Wald&Garten zu Verfügung gestellt.  Der Erfolg gibt uns Recht, denn langsam aber stetig dehnt sich das Schilf seitlich aus und bereits sind die Abzäunungen, welche wir damals grosszügig 10 Meter vom Schilf entfernt eingerichtet haben, erreicht. Zudem hat der Bach ein natürliches Delta gebildet, auf welchem das Schilf gut wachsen kann. Im Schilfgürtel können nun Fische und Insekten leben und Wasservögel finden ungestörte Brutplätze welche natürlicher sind, als Schwimmringe aus Plastik am Oberdorfquai!

 

 

 

Unterschriften gegen synthetische Pestizide gesammelt

 

Der Fischereiverein Weggis war am letzten Samstag aber nicht nur in der Hege&Pflege des Reviers tätig, sondern war auch „politisch“ aktiv. So sammelten einige Mitglieder, organisiert durch den Luzerner Kantonalverband, am Schwanenplatz in Luzern Unterschriften. Damit unterstützen wir die Volksinitiative für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide. Nicht nur die Fische leiden unter den Pestiziden, sondern auch die Insekten, deren Bestände in bedrohlichem Ausmass zusammenbrechen. Dabei zeigte sich, dass wir mit diesem Anliegen auf dem richtigen Weg sind, denn es brauchte nicht viel Überzeugungsarbeit: Die Luzernerinnen und Luzerner sind sich der Gefahr der synthetischen Pestizide offensichtlich bewusst und unterschrieben die Initiative zahlreich. Wir sind überzeugt, dass wir bis Ende April, die benötigten Unterschriften zusammenkriegen.